24. Jun

China stellt 40 Jahre altes Gammelfleisch sicher

Rind und Huhn lagerten seit den Siebzigern –
„Gestank von Verwesung“

Peking. Die Zöllner in Südchina sind eigentlich hart gesotten, schließlich bringen Schmuggler so ziemlich alles über die Grenze, das noch jemand kaufen könnte. Diesmal waren die Beamten jedoch erstaunt und angeekelt. In mehreren Lastwagen hatten sie 800 Tonnen halb aufgetautes Fleisch gefunden, das für den Großhandel in mehreren Provinzen bestimmt war. „Uns schlug ein Gestank von Verwesung entgegen“, berichtet Zöllner Zhang Tao der Nachrichtenagentur Xinhua. „Ich übergab mich fast.“ Einige Chargen, die jüngst sichergestellt wurden, trugen Produktionsdaten aus den 70er-Jahren.

 

Chinas Verbraucher waren schon vor den ekligen Nachrichten von einer Kette von Lebensmittelskandalen verunsichert: Öl aus Abwasser, Chemie in der Babymilch, Pappe als Hackfleischersatz. In einer Studie des Umweltministeriums gaben 87 Prozent der Befragten an, sich „große Sorgen“ um den Zustand von Trinkwasser und Nahrungsmitteln zu machen. „Die Regierung hat erkannt, dass Lebensmittelsicherheit eine der größten Sorgen der Leute ist“, schreiben Experten von dem Bankhaus HSBC in einer Studie.

 

Verrottendes Fleisch

Verrottendes Fleisch


Mit dem steigenden Fleischkonsum steigen auch die Probleme damit, das Land mit qualitativ guten Produkten zu versorgen. Die Zahl der Geschäftemacher, die vor allem auf das schnelle Geld aus sind, scheint derweil unverändert hoch zu sein. Premier Li Keqiang hat in seiner Regierungserklärung vom März „strengstmögliche Kontrollen“ angekündigt, um auf das Problem zu reagieren.

 

Ein Ergebnis dieser Ankündigung ist die offenbar erfolgreiche Fahndung nach Fleisch-Schmugglern. Der aktuelle Fund von uraltem Rind- , Hühner und Entenfleisch treibt das Misstrauen jedoch erst einmal weiter hoch. Offenbar schmuggeln organisierte Banden jährliche Hunderttausende von Tonnen Fleisch über Vietnam nach China, wie jetzt bekannt wurde. Sie umgehen damit Lebensmittelkontrollen und Einfuhrzölle gleichermaßen. „Das Fleisch ist gefährlich, weil es Bakterien und Viren enthält, die schwere Krankheiten auslösen können“, sagt Yang Bo, Vizechef der Anti-Schmuggel-Abteilung des Zolls in Changsha.

 

Die hohen Profite aus dem Geschäft mit dem Fleisch haben jedoch viele Verbrecher angezogen, die den Fleischnachschub inzwischen geradezu professionell organisieren, sagt Yang. Noch ist unklar, was mit den Bergen von Gammelfleisch jetzt geschehen soll. Im Jahr 2014 seien 295.000 Tonnen Rindfleisch, 562.000 Tonnen Schweinefleisch und 440.000 Tonnen Hühnerfleisch illegal nach China eingeführt worden. Auch Meeresfrüchte sind betroffen. Die konzertierte Aktion gegen die Schmuggler hat sich über 14 Provinzen erstreckt; Behörden in Nachbarländern haben Amtshilfe geleistet.

 

Selbst wenn das Fleisch noch in gutem Zustand sein sollte, wenn die Banden es auf den Weg schicken, ist es oft verdorben, bis es ankommt. Denn die Schmuggler verwenden keine Kühllaster – das wäre zu teuer und vor allem zu auffällig. Die gerade sichergestellte Fuhre war bereits zwölf Stunden auf der Straße unterwegs, bevor die Ermittler sie in der Stadt Changsha abgefangen haben. Woher das 40 Jahre alte Fleisch ursprünglich stammte, war am Mittwoch noch nicht bekannt. Zu den typischen Herkunftsländern des Fleischschmuggels gehören Indien und Brasilien.

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Das Geschäft lohnt sich offenbar. Allein die Charge mit den 40 Jahre alten Produkten hätte bis zu 1,5 Millionen Euro einbringen können. In den vergangenen Monaten allein hat die Polizei 100.000 Tonnen Fleisch mit einem Marktwert von über 400 Millionen Euro beschlagnahmt. Die Gauner setzen die Öffentlichkeit jedoch erheblichen Gefahren aus. Das Fleisch enthält neben Bakterien und Bakteriengiften oft billigste Konservierungsmittel, warnen Forscher aus Hongkong. Die Abnehmer verarbeiten die Gammelware meist zu Fleischprodukten oder scharf gewürzten Gerichten weiter.
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China leidet zunehmend auch unter einem Problem mit gefälschtem Fleisch. Ein 20 Jahre alter Tourist aus Nordostchina ist kürzlich in Peking mit schweren Vergiftungserscheinungen ins Krankenhaus gekommen. Die Ärzte fanden gefährliche Mengen des Rattengifts Bromadiolon in seinem Blut. Der junge Mann hatte geglaubt, am Straßenrand Lammspieße gegessen zu haben – tatsächlich handelte es sich um Fleisch von verendeter Ratten. Im vergangenen Jahr enthielt eine Lieferung Eselfleisch in der Stadt Chongqing nachweislich Fuchsfleisch. In Shanghai haben Garküchen Lammspieße angeboten, die vom Marder stammten.

 

China leidet immer wieder unter ähnlichen Skandalen. Im Olympia-Jahr 2008 wurden Tausende von Babys vergiftet, sechs starben, weil ihr Milchpulver mit der Chemikalie Melamin versetzt war. Diese gaukelt Testern einen höheren Eiweißgehalt vor. Auch große Ketten wie McDonald’s haben immer wieder Probleme: Eine Firma aus Shanghai haben sie mit wiederverwerteten Fleisch versorgt.

Zollbeamte inspizieren ihren ekligen Fund. Quelle: CCTV

Zollbeamte inspizieren ihren ekligen Fund. Quelle: CCTV

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